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LocalZero:Carsharing v2

Aus Mitmachen

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Carsharing vor Ort stärken

Carsharing spart vor allem dann Emissionen, wenn viele Haushalte mitmachen. Wer das eigene Auto abschafft und Carsharing nutzt, fährt öfter mit Bahn, Bus und Rad. Bestehende Angebote in euren Orten sind dafür der schnellste Hebel: Ihr könnt sie mit neuen Nutzer:innen, Aktionen und – wo es passt – mit E-Autos unterstützen. Diese Best Practice zeigt, wie das gelingt und wann sich ein neues Angebot lohnt.

🔍 In einem Satz: Lokalteams helfen bestehenden Carsharing-Angeboten, mehr Menschen zum Mitmachen zu gewinnen, und prüfen mit Anbietern, wo E-Autos oder ein neues Angebot sinnvoll sind.

⭐ Ergebnis: 400 bis 800 zusätzliche Nutzende sparen in Bremen ähnlich viel CO₂ wie die komplette E-Umstellung der Flotte. Buchholz fährt seit April 2025 ein E-Auto auf Spendenbasis.

🎯 Ziele:

  • Mehr Nutzer:innen für bestehende Carsharing-Angebote gewinnen
  • E-Autos in bestehende Angebote bringen, wo Standort und Netzanschluss passen
  • Neue Angebote nur starten, wenn echte Nachfrage belegt ist

☑️ Voraussetzungen:

  • Ein bestehendes Angebot vor Ort oder verbindlich Interessierte
  • Kontakt zum Anbieter und Gespräch mit der Kommune
  • Ehrenamtliche für Aktionen und Fahrzeugbetreuung

⏳ Dauer: Je nach Projekt lange Vorbereitung und fortlaufende Umsetzung. Das Buchholzer Projekt läuft drei Jahre (April 2025 bis März 2028).

📝 Vorbereitung: Anbieter vor Ort kontaktieren, Standorte und Nachfrage klären (siehe Vorgehen).

💶 Kosten: Keine allgemeine Förderung für den Carsharing-Betrieb. Netzanschluss 15.000–20.000 € pro Station. Buchholz: ca. 2.500 € pro Jahr, über Spenden finanziert.

Carsharing BuchholzZero

Ergebnis

Der Bundesverband Carsharing (BCS) sieht den größten Klimaeffekt im Ausbau und in neuen Nutzer:innen. Das lässt sich auch in euren Lokalteams umsetzen.

Mehr Nutzer:innen sparen fast so viel CO₂ wie eine E-Umstellung

Eine Studie aus Bremen zeigt: 400 bis 800 zusätzliche Nutzende sparen ähnlich viele Emissionen ein wie die vollständige Elektrifizierung der dort stationierten Carsharing-Flotte. Die Umstellung aller Autos wäre dort laut BCS-Einschätzung rund 4 Mio. Euro teuer.

Bestehende Angebote sind der schnellste Hebel

Der BCS empfiehlt, zuerst Kräfte zu bündeln und mehr Menschen in bestehende Angebote zu bringen. Anbieter kümmern sich um Fahrzeuge, Technik und Instandhaltung. Lokalteams bringen Menschen vor Ort zusammen.

Persönlich statt Flyer: Aktionen, die Hemmschwellen abbauen

Fachleute raten vom Verteilen von Flyern ab. Wirksamer sind Infostände und Aktionen, bei denen lokale Prominenz das Angebot selbst nutzt. Das Team in Coesfeld hat dafür das Format „Kaffee – Kekse – Carsharing“ konzipiert: offene Gespräche an Carsharing-Stationen, ohne Verkaufsdruck.

Buchholz zeigt: E-Carsharing lässt sich auf Spendenbasis betreiben

Seit April 2025 steht in Buchholz ein VW ID.3 im Carsharing. Die Leasingrate wird von der Volksbank Lüneburger Heide eG gefördert. Die laufenden Kosten von rund 2.500 Euro pro Jahr decken Spenden, empfohlen werden 3 Euro für die erste Stunde und 1 Euro für jede weitere (max. 15 Euro pro Tag).

Neue Angebote nur mit belegter Nachfrage

Laut BCS können 10 Haushalte ohne eigenes Auto, die Carsharing wirklich nutzen wollen, ein Fahrzeug gut auslasten. 50 Haushalte mit unverbindlichem Interesse reichen oft nicht aus.

Umgesetzte Projekte der Lokalteams

BuchholzZero: E-Carsharing für Buchholz

Datum: April 2025 bis März 2028 (drei Jahre)

  • VW ID.3 für die Allgemeinheit, wechselnde Quartiere (Start: Märchensiedlung)
  • Ehrenamtlich betreut, Nutzung auf Spendenbasis
  • Registrierung persönlich, Fahrzeugeinweisung ca. 30 Minuten

Besonderheiten

  • Leasingrate gefördert durch die Volksbank Lüneburger Heide eG (VR-Gewinnspargemeinschaft)
  • Regeln: max. drei Tage am Stück, 2–3 Ausleihen pro Monat

Pressespiegel & Quellen

E-Carsharing – BuchholzZero

Projektbeschreibung – BuchholzZero

LocalZero Coesfeld: Kaffee – Kekse – Carsharing

Beteiligte: Carsharing-Anbieter (stellt Fahrzeuge zur Verfügung), Mobilitätsmanagement (wirbt für das Event), 4 Menschen vor Ort (mind. 2 mit Carsharing-Erfahrung)

  • Ziel: Hemmschwellen abbauen, Fragen klären, Normalität des Carsharings zeigen
  • Ablauf: ca. 1¼ Std. pro Station, z. B. zwei Stationen an einem Samstagvormittag
  • Material: Stehtische, Kaffee, Kekse, Flyer, Musik

Besonderheiten

  • Haltung: keine Verkaufsveranstaltung, offen für Laien, wirtschaftlicher Nutzen statt Klimaschutz im Vordergrund

Vorgehen

Die Schritte bauen aufeinander auf, ihr könnt aber auch mit einzelnen starten.

  1. Bestehende Angebote finden: Prüft, wo es in eurem Ort oder Landkreis schon Carsharing gibt und welcher Anbieter dahintersteckt. Der BCS kann eure Ortsliste mit seiner Datenbank abgleichen und einschätzen, wo ein neues Angebot Sinn ergibt.
  2. Nachfrage prüfen: Fragt konkret nach: Wie viele Haushalte wollen verbindlich mitmachen? Wie groß sind sie, wie viele Autos haben sie, und wie offen sind sie für Carsharing?
  3. Anbieter ins Gespräch holen: Klärt mit dem Anbieter Standorte, Werbung und Rückmeldungen. Lokalteams kennen Orte und Menschen, Anbieter bringen Betriebserfahrung und Kundendaten mit.
  4. Aktionen starten: Infostand oder Kaffee-Kekse-Format an einer Station, lokale Prominenz als Nutzer:in einbinden, Verwaltung als Ankermieterin gewinnen.
  5. Neue Nutzer:innen zählen: Mit einem Rabattcode, z. B. auf die Abogebühr im ersten Monat, lassen sich Neukund:innen nachverfolgen. Das ist auch fürs Reporting nützlich.
  6. E-Autos prüfen und dranbleiben: Klärt mit dem Anbieter, ob ein E-Auto am Standort passt. Den Netzanschluss im öffentlichen Raum früh prüfen: Schon wenige Meter Verschiebung können später einen fünfstelligen Betrag sparen.

Methodenvielfalt: Gesprächsbasierte Formate wie Infostände, Aktionen und Gespräche mit dem Anbieter wirken laut Fachleuten mehr als Flyer. Entscheidend ist, die Wirkung zu messen: Ob neue Nutzer:innen tatsächlich dazukommen, lässt sich über Rabattcodes und die monatliche Auslastung der Fahrzeuge zeigen. So seht ihr früh, welches Format trägt und welches ihr anpassen solltet.

Einbindung von Politik, Verwaltung & Wirtschaft

Verwaltung: Die Verwaltung kann Dienstfahrten über das Carsharing abwickeln und so als Ankermieterin wirken. Sie entscheidet über Stationen im öffentlichen Straßenraum und kann Räume für Infoveranstaltungen bereitstellen. Netzanschlüsse für Ladepunkte liegen in ihrer Verantwortung.

Politik: Unterstützung durch Bürgermeister:in oder Dezernent:in erhöht Bekanntheit und Seriosität. Ein gemeinsames Foto oder eine Pressemitteilung mit der Kommune ist ein einfacher Hebel. Politik kann Unternehmen zur Nutzung anregen, z. B. über Klimaschutzpläne.

Wirtschaft & Sponsoring: Unternehmen mit dienstlichen Fahrten sind gute Multiplikatoren. Laut BCS sind etwa 30 % dienstliche Fahrten pro Fahrzeug ideal. In Buchholz wurde die Leasingrate durch eine Bank gefördert. Lokale Wohnungsbaugesellschaften können Mieter:innen erreichen.

Bürger:innen: Ehrenamtliche übernehmen Aktionen, Fahrzeugpflege und Kommunikation. In Vaterstetten sind diese Aufgaben auf viele Schultern verteilt. Fragt im Ort gezielt nach, wer mitwirken möchte. Bei Infoveranstaltungen gilt es zu unterscheiden: Wer würde das Angebot selbst nutzen, und wer findet es nur als gute Idee für andere? Nur die erste Gruppe trägt ein Angebot langfristig.

Ein Beispiel aus dem Landkreis Ebersberg zeigt, wie Verwaltung und bestehende Vereine zusammenwirken: Neue Initiativen erhalten ideelle Starthilfe, teils auch gebrauchte Fahrzeuge, und der Landkreis stellt für die Abrechnung und das Controlling eine Teilzeitstelle zur Verfügung.

Aufwand

  • Zeitaufwand: Markterkundung und Gespräche mit Anbieter und Kommune. Eine Aktion an einer Station dauert laut Coesfeld-Konzept ca. 1¼ Std.
  • Kosten: Aktionsmaterial (Stehtische, Kaffee, Kekse) ist gering. Netzanschluss 15.000–20.000 € pro Station (Kommune). Buchholz: ca. 2.500 € pro Jahr laufend, über Spenden gedeckt. Grobe Schätzung für ein Angebot: 500–600 € pro Monat in größeren Städten, ca. 900 € im ländlichen Raum.
  • Personal: Koordination durch wenige Aktive. Aktionen mit 4 Personen, davon mind. 2 mit Carsharing-Erfahrung und Apps.
  • Pflege: Fahrzeugreinigung und Instandhaltung. In Buchholz müssen Nutzende das Fahrzeug sauber zurückgeben, sonst werden Reinigungspauschalen fällig.

Erfolgsfaktoren

  • Vor Ort präsent sein: Angebote wachsen dort, wo Anbieter und Aktive vor Ort sind. Im Leitfaden des BCS wuchs die Flotte im Untersuchungsraum um München in fünf Jahren an Orten mit Anbieterpräsenz um 25 %, an Orten ohne um 5 %.
  • Vorbild sein: Verwaltung und Politik nutzen Carsharing selbst. Empfehlung von Menschen, denen man vertraut, wirkt am stärksten.
  • Persönlich statt Massenwerbung: Gespräche, Stände und Aktionen mit bekannten Gesichtern. Flyer allein reichen laut Fachleuten nicht.
  • Verantwortung verteilen: Organisation auf viele Schultern verteilen, damit Ehrenamtliche nicht überlastet werden.
  • Stationen in Wohnstraßen: Max. 400 m Einzugsgebiet, zwei bis vier Stellplätze pro Station. Stationen mit nur einem Fahrzeug vermeiden.
  • Nachfrage vor Angebot: Verbindliche Interessierte zählen, nicht nur allgemeine Zustimmung.

Stolpersteine

  • Netzanschluss im öffentlichen Raum: Kommunen fehlen oft Planungskapazität und Mittel. Ladepunkte an Carsharing-Stationen gelten nicht als öffentlich, die Bundesförderung greift daher nicht. Lösung: Netzanschluss früh prüfen und Ausbau nicht an die Elektrifizierung koppeln. In NRW und Bremen gibt es Landeslösungen.
  • Passendes E-Auto: Anbieter finden vor allem Klein- und Kleinstwagen, die Hersteller bauen vor allem große E-Autos im Premiumsegment. E-Fahrzeuge sind in der Beschaffung teurer als Verbrenner. Lösung: Modellangebot früh mit dem Anbieter klären, Ausbau nicht vom E-Anteil abhängig machen.
  • Finanzierung: Keine Förderung für den Carsharing-Aufbau (laut Austausch außer in Schleswig-Holstein), eigene Buchungssoftware ist teuer. Lösung: Sponsoring suchen (wie in Buchholz), Spendenmodell nutzen, mit einem Anbieter kooperieren.
  • Ländlicher Raum: Reichweitenangst ist verbreitet, E-Autos stoßen dort auf wenig Resonanz. Lösung: Schwerpunkt auf neue Nutzer:innen legen und E-Autos nur dort, wo Nachfrage da ist.
  • Unterstützer sind nicht automatisch Nutzer:innen: Zustimmung ersetzt keine Nachfrage. Lösung: Interessierte gezielt fragen, wie oft sie tatsächlich ein Auto brauchen.
  • Ehrenamt stößt an Grenzen: Mit wachsendem Angebot reicht Ehrenamt irgendwann nicht mehr. Lösung: Aufgaben verteilen und früh über Verstetigung nachdenken, z. B. Teilzeitkräfte.
  • Zeitlich begrenzte Projekte: Das Buchholzer Projekt endet im März 2028. Lösung: Frühzeitig klären, wie es danach weitergeht.

Material

Weiter- bzw. tieferführendes Material:

Vorbereitung:

Umsetzung:

Kommunikation: