Klimaentscheide:Pressearbeit

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Die meisten Klimaentscheid-Teams wenden sich aktiv an Pressevertreter, um die Initiative in der Region bekannt zu machen. Das hilft beim Sammeln von Unterschriften oder im Gespräch mit politischen Vertreter*innen und inspiriert neue Leute, sich dem Klimaentscheid-Team anzuschließen oder weitere Teams in anderen Kommunen zu gründen.

Material und Anregungen

Es gibt eine Klimaentscheid-Pressemappe und eine Vorlage für eine Pressemeldung. Ihr könnt beides mit euren Team-Informationen, Fotos und Kontaktdaten ergänzen und Journalist*innen zur Verfügung stellen. Ines schickt euch beides gern zu.

Im Pressespiegel sowie im Leitfaden und im Handbuch von Edgar Wunder (Seite 92) findet ihr weitere Anregungen.

Einige Teams haben Pressekonferenzen und -gespräche abgehalten, zum Beispiel Münster, Mainz und Ulm.

Tipps für Pressearbeit

  1. PRESSE EINBINDEN Zum Start eurer Klimaentscheid-Gruppe gehört auf jeden Fall ein Zeitungsartikel! Und auch danach sollten die lokalen Medien regelmäßig eingebunden werden, das schafft Reichweite.
  2. ZUSTÄNDIGKEITEN RECHERCHIEREN Wirksame Pressearbeit benötigt eine gute Vorbereitung, um den Redakteur*innen einerseits die Kernfakten übersichtlich zur Verfügung zu stellen und andererseits eine interessante Geschichte anzubieten. Sucht deshalb schon im Vorfeld den persönlichen Kontakt zu einem oder mehreren Redakteur*innen! Ihr könnt an den Artikeln sehen, wer für was zuständig ist und wer eher pro Klimaschutz schreibt. Die Journalist*innen freuen sich übrigens auch über ermutigende Post, wenn euch ein Artikel gefallen hat (per Leser*innenbrief oder persönlich).
  3. PRESSEVERTEILER AUFBAUEN Baut einen Presseverteiler mit den E-Mail-Adressen der zuständigen Lokal-Redakteur*innen in eurer Stadt/Region auf. Denkt neben der Tageszeitung auch an deren Online-Redaktion (die ist manchmal nicht deckungsgleich), an kostenlose Wochenblätter, das lokale Radio oder Fernsehen, monatliche Stadt(teil)magazine etc. Selbst Schülerzeitungen können ein guter Multiplikator sein. Diesen Verteiler bedient ihr zukünftig regelmäßig mit Pressemitteilungen, sobald etwas aktuell anzukündigen oder zu berichten ist. Es lohnt sich, etwas mehr Arbeit zu investieren: Je klarer gegliedert und besser geschrieben eine Pressemitteilung ist, desto größer ist die Chance, dass sie einfach 1:1 übernommen wird. Denn Redakteur*innen haben wenig Zeit und ihr nehmt ihnen so Arbeit ab.
  4. PRESSEMITTEILUNGEN VERSCHICKEN Verschickt eure Pressemitteilungen per E-Mail als PDF. Eine gute Pressemitteilung ist so aufgebaut: Überschrift (Sie bringt kurz und knackig auf den Punkt, worum es geht.), Erster Absatz mit allen wichtigen Informationen (Wer hat was wann und wo warum gemacht?), Text (Nun könnt ihr in mehreren Absätzen gegliedert schreiben, was genau passiert ist. Das Wichtigste zuerst. Auch gern genommen: O-Töne, also Zitate von Beteiligten, die mit vollem Namen und Funktion genannt werden sollten). Eine klar als solche gekennzeichnete Info-Box kann am Ende weitere Infos, z. B. zum Klimawandel, zu GermanZero, zur Gesetzeslage o. Ä. bereitstellen. In den Kopf der Pressemitteilung gehört eine Absenderadresse, unten drunter immer ein*e Ansprechpartner*in für Nachfragen (mit E-Mail-Adresse und Telefonnummer). Stellt, wenn möglich, auch Bildmaterial bereit, denn Zeitungsredaktionen sparen oft an Fotografen, obwohl Bilder auf einer Seite zuerst beachtet werden. Bei allen von euch gemachten und mitgeschickten Fotos: Copyright angeben. Und wenn ihr Passanten und vor allem, wenn ihr Kinder fotografiert: Ihr müsst vorher unbedingt (die Eltern) fragen, ob das Bild veröffentlicht werden darf!
  5. PRESSEMAPPE ERSTELLEN Als journalistische Handreichung diente lange die gute alte Pressemappe. Journalistinnen und Journalisten hatten mit der Mappe alle wichtigen Infos gebündelt zur Hand. Heute muss diese Info-Sammlung nicht mehr als "echte" Mappe rausgegeben werden. Ein Stick mit Texten und Fotos oder Links zu entsprechenden Seiten sind eine mindestens genauso gute (und schlankere) Lösung. Ein weiteres Plus: Die hinterlegten Inhalte lassen sich leichter aktuell halten.
  6. PRESSEKONFERENZ ORGANISIEREN Zum Start eurer Kampagne könnt ihr auch alle lokalen Pressevertreter*innen zu einer Pressekonferenz einladen. Bereitet gut vor, was ihr dort möglichst kurz und knackig präsentieren wollt - Presseleute haben selten viel Zeit - und wer welche Fragen beantwortet. Ein Handout mit den wichtigsten Fakten und Ansprechpartner*innen ist auch in Zeiten des Internets meist noch gern genommen.
  7. ETAPPENZIELE KOMMUNIZIEREN Immer, wenn ihr eine Etappe eurer Kampagne erreicht habt (etwa: Wir haben jetzt den Text für das Bürgerbegehren! Wir haben genug Unterschriften!) ist das ein Anlass, an die Presse zu gehen. Wenn ihr persönliche Kontakte habt, bittet sie zwischendurch auch mal zu einem Interview in ein gemütliches Café.
  8. REGELMÄSSIGKEIT / KONTAKTE PFLEGEN Ladet die Presseleute regelmäßig zu euren Aktionen oder Events ein. Beispiel: Wir machen zum Tag des Baumes eine Ausstellung auf dem Marktplatz mit Plakaten und Mitmachaktion für Kinder. Kinder in Aktion und Kinderbilder sind ein beliebtes Motiv für die Zeitung! Es gibt dafür viele passende Themen-Tage, etwa den Tag des Baumes, den Tag der Biene, den Tag des Wassers ... - so schafft ihr immer wieder aktuelle Anlässe. Falls niemand von der Zeitung kommen will, könnt ihr auch anbieten, einen Eigenbericht zu schreiben.
  9. LESER*INNENBRIEFE SCHREIBEN Schreibt massenhaft Leser*innenbriefe! Sie gehören zu den beliebtesten und meistgelesenen Texten der Zeitungen. Ein solcher Brief sollte immer auf einen aktuellen Zeitungsartikel reagieren, der als Aufhänger am Anfang erwähnt wird. Wechselt euch beim Schreiben ab, Briefe von immer den gleichen Absender*innen haben weniger Chancen, abgedruckt zu werden.

Beispiele für Pressearbeit

Zentrale Niedersachsen-Aktion

Im April 2021 haben wir mit drei Teams in Niedersachsen eine Presseaktion unternommen. Ziel war es, Zeitungen in Kommunen anzuschreiben, in denen es noch kein Team gibt, in der Hoffnung, dass sich Leute dort für die Idee begeistern und darüber schreiben.

Herangehensweise:

  • Auflistung aller auflagenstarken Lokal- und Regionalzeitungen in Excel
  • Recherche: Welche Redaktion / welche Journalist*innen haben in der Vergangenheit über vergleichbare Themen geschrieben?
  • Vorbereitung von Materialien, die wir auf Wunsch via E-Mail zuschicken, sowie eines Telefonleitfadens mit Ideen, wie man das Gespräch beginnen kann
  • Telefonaktion: Wir haben uns in Zoom getroffen, letzte Fragen geklärt und uns dann stumm geschaltet. Jeder hatte seinen Namen in der Excel an einige Kontakte/Redaktionen geschrieben. Diese wurden jetzt abtelefoniert.
  • Nachbereitung: Nicht erreichte Kontakte wurden später noch einmal angerufen. Bei Interesse verschickten wir Pressemappe, -bilder und/oder -meldung.

Ergebnisse:

  • 13 beteiligte Personen über einen Zeitraum von 2 Monaten
  • 19 Personen/Redaktionen erreicht (einige wenige konnten trotz mehrmaliger Versuche nicht erreicht werden), 28 kontaktiert
  • 16 Personen/Redaktionen bekundeten Interesse an Klimaentscheiden und bekamen Informationen zugeschickt
  • Pressegespräch der Buchholzer und Lüneburger Teams mit dem Hamburger Abendblatt
  • Weiterentwicklung einiger bestehender Kontakte (Artikel in Wiesner Anzeiger, Treffen mit Person von Correctiv geplant, Telefonat mit Person von NDR Panorama, Kontakt zum Klima-Aktions-Bündnis)
  • Berichte in den Wochenblättern „Bremervörder Anzeiger“ und „Osterholzer Anzeiger“ zugesagt, aber sehr kleine Beiträge
  • insgesagt 5 Artikel erschienen

Fazit:

  1. In der Regel braucht man einen ganz klaren lokalen Aufhänger, z. B. einen aktuellen Beschluss oder eine Aktion. Gute inhaltliche Vorbereitung ist aufwendig, lohnt sich aber.
  2. Tagesaktualität ist wichtig (Warum sollte diese Woche darüber berichtet werden?).
  3. Viele Gespräche waren sehr freundlich und interessiert, manchmal wurden wir "abgewimmelt".
  4. Gemeinsam als Team agieren ist gerade für Personen mit wenig Presseerfahrung hilfreich.

Ideen:

  • Denkbar wäre, beim nächsten Mal zuerst nach kooperierenden Gruppen zu suchen und dann in einer Stadt die Lokalpresse anzusprechen.
  • Presseagenturen kontaktieren
  • Fokus auf überregionale Redakteur*innen, deren Artikel in mehreren Lokalzeitungen erscheinen (Dazu braucht es dann jedoch einen Aufhänger, der die ganze Region interessiert.).
  • auf Radio & Fernsehen zugehen (Audio-/Videomateral erstellen?)
  • besondere Tage als Anlass nutzen, z. B. earth overshoot day
  • Aktion für einzelne Städte machen, wo wir ein Teamfindungsevent planen
  • Presseteam bilden, dass Lokalteams bei der Pressearbeit unterstützt und überregionale Aktionen organisiert und durchführt. Ziel: Bestehenden Teams einen Überblick über alle relevanten Informationen rund um Pressearbeit geben.

Teamfindungsevents Mai 2021

Im der Woche vom 17. bis 21. Mai 2021 haben wir 10 Teamfindungsevents in kleineren Städten und KE-armen Regionen angesetzt.

  • Start Planung 20.04., Leute ins Boot holen ab 29.04., Vorbereitungs-Termin 03.05., Anrufe ab 04.05., nachhaken bis 14.05. – Gesamtdauer knapp 1 Monat
  • Vorgehen: Wichtigste Medien in Städten identifizieren, Klimaschutz-Redakteur ermitteln, möglichst Telefonat und anschließend per E-Mail angepasste Pressemappe aus Niedersachsen-Aktion verschicken
  • 6 beteiligte Personen: Ines, Jonas, Hauke, Simone, Judith, Inga
  • kontaktierte Zeitungen: 29 (viele nur per E-Mail erreicht)
  • erschienene Artikel: 6

Evaluation am 27.05.21 - Was funktioniert?

  • Schon existierende Kontakte zu Redaktionen helfen sehr, siehe Hamburger Abendblatt – ist dann auch Türöffner für weitere Presse-Möglichkeiten.
  • Lokalredaktion braucht konkreten lokalen Bezug, gerne auch etwas Persönliches.
  • Beifang: Vorort-Recherche fördert ähnliche Initiativen zutage, die sich auch für KE interessieren könnten, Beispiele Klima Aktions Bündnis Bassum-Twistringen-Syke, FFF Goslar, P4F Cuxhaven
  • Gemeinschaftliche KE-Aktion motiviert und ermutigt alle Beteiligten, sich mal an die Presse zu trauen – 2. Beifang: KE-Teams arbeiten untereinander noch stärker zusammen
  • TFE: Zeitungskontakt wechselwirkt auch mit den Angemeldeten und pusht das, siehe Wismar
  • fertige Pressemappe sehr hilfreich und zeitsparend
  • Telefon-Leitfaden und E-Mail-Vorlage hilfreich
  • trotz Kaltakquise: angenehme (wenn auch kurze) Telefonate, da man (teilweise) die richtigen Redakteure recherchiert hatte

Pressearbeit: Das Beispiel Mainz