LocalZero:Skeptisches Umfeld
Diese Seite enthält Tipps für die Arbeit in einem skeptischem politischem Umfeld. Diese Tipps sind nicht für einen Umgang mit der AfD gedacht, können aber evtuell auch helfen.
Strategien & Ansätze für Kampagnen
Ziele
- stark skeptische Politiker:innen bekommen den Eindruck, sie bekämen für ihre Zielgruppe wichtige Entwicklungen nicht mit
- als konservativ wahrgenomme Akteuere bauen das Vorurteil ab, dass ihr "komische Öko-Spinner" seid
- NICHT: Alle skeptischen Menschen in eurem Ort von euch zu überzeugen
- NICHT: Alle als konservativ wahrgenommen Akteuere zu 100% von euch zu überzeugen
Immer wieder kleiner Aktionen, die es in die Lokalpresse schaffen (über eigene PM), sind wirksamer als eine große Aktion im Jahr.
Zusammenarbeit mit als konservativ wahrgenommen Akteuren suchen
- Heimatvereine (mit denen Müllsammelaktion durchführen oder Blumenwiese pflanzen)
- Feuerwehren (Abpflastern oder Waldbrand-Aufklärung)
- überlegt, welche Vereine/Veranstaltungen es bei euch gibt, die als konservativ wahrgenommen werden
Kirchen
Mögliche Aktionen:
- Gottesdienst zur Bewahrung der Schöpfung
- Transpis ("Wäre Jesus Klimaaktivist") am Kirchturm hissen
- Lesung von progressiver:n Autor:in und davor Andacht in der Kirche
- Aktion mit Jugendgruppe/Pfadfindern (wobei es wahrscheinlich zielführender ist, mit der älternen Menschen zu kooperieren)
Skeptische Fraktionen im Stadtrat
Fraktionen im Stadtrat sind meistens keine homogene Gruppe. Es gibt in jeder Partei “Ultras” und “Liberalere”. Diese Trennung könnt ihr für euer Arbeit nutzen, in dem ihr gezielt die Liberaleren ansprecht und so verschiedene Perspektiven in die Fraktion bringt.
Arbeitet euch nicht an den Ultras ab, die lassen sich von euch wahrscheinlich nicht überzeugen. Viel eher lassen sie sich von ihrern "liberarleren" Kolleg:innen überzeugen.
Die richtigen Ansprechpersonen finden
Hier geht es explizit nicht darum, über einen potenziellen Radweg auch mit Menschen aus dem Moblitätsausschuss zu sprechen. Wichtiger ist, herauszufinden, wer die Menschen in der skeptischen Fraktion sind, die für eure Perspektive offen sind.
Fragt dazu bei anderen Vereinen und euch freundlich gesinnten Politiker:innen nach,
- wie sie die Menschen der betroffenen Fraktion einschätzen
- welchen Themen den einzelnen Menschen wichtig sind
- welche Argumente/Framings für die liberale Person aus der betreffenen Fraktion wichtig sind (Kann ich xy über das Argument "Kosten sparen"/ "Wirtschaft fördern"/ "Heimat bewahren" erreichen?)
- fragt auch nach, wo die betreffende Person sofort blockt (Was ist deren "Rotes Tuch"? , z.B. "CO2-Emissionen einsparen").
Gespräche mit skeptischen Politiker:innen
- versucht, mit den “liberaleren” Politiker:innen zu sprechen (auch wenn die nicht für euer Thema zuständig sind) und so eine Meinungsverschiedenheit zu einem bestimmten Thema (z.B. neuer Radweg) innerhalb der Fraktion zu erzeugen
- Falls der:die Politiker:in fragt, warum ihr euch mit ihm:ihr treffen wollt, obwohl er:sie gar nicht zu dem Thema arbeitet, könnt ihr folgendes sagen:
- Wir haben den Eindruck, dass in Gesprächen mit Ihnen weniger Missverständnisse auftreten
- Wir wollen Ihnen zeigen, dass wir mehr Gemeinsamkeiten haben, als vielleicht gedacht. Bei Ihnen haben wir den Eindruck, dass sie uns nicht pauschal ablehnen. (schreibt natürlich nicht, dass der zuständige Politiker xy euch doof findet. Formuliert das alles "grundsätzlich")
- Überlegt euch bei der Vorbereitung des Gesprächs, wie ihr der Person euer Thema erklären wollt
- Welche Argumente überzeugen diese Person am meisten? ("Die PV Anlage auf der Schule würde X% der Stromkosten einsparen")
- Welche Begriffe sollen nicht fallen? ("Mit der PV Anlage auf der Schule leisten wir einen Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation und zeigen, dass uns Klimaschutz wichtig ist")
- Falls der:die Politiker:in fragt, warum ihr euch mit ihm:ihr treffen wollt, obwohl er:sie gar nicht zu dem Thema arbeitet, könnt ihr folgendes sagen:
- sprecht euch mit anderen als "Ökos" wahrgenommenen Akteueren (andere Umwelt- und Klimaschutzvereine, Vereine für Verkehrswende) ab
- Falls ihr ein gemeinsames Ziel verfolgt (z.B. neuer Radweg), sprecht euch ab, wer von euch wie (und wann) versucht, die skeptischen Akteure zu erreichen (zeitlich verteilt, welche Organisation hat die Chance als akzeptabel für die Skeptiker:innen wahrgenommen zu werden)
- Falls ihr kein gemeinsames Ziel habt, lohnt es sich auch mit den anderen Akteuren zu sprechen, um Erfahrungswerte auszutauschen
Weitere Aktionen
- Ladet die “liberaleren” Politiker:innen zu Aktionen mit den konservativen Akteuren ein (die “Ultras” würden eurer Einladung nicht nachkommen, aber finden das langfristig interessant, wenn ihnen die "Liberalen" davon im Nachhinein erzählen)
- evtl. Leserbriefe zusammen mit anderen Akteuren (z.B. Feuerwehr o.ä.) zu schreiben (die Leserbrief-Seiten sind die meistgelesen Seiten einer Lokalzeitung)
- Das muss auch nicht immer eine große Aktion sein: Wenn beim Feuerwehrfest auch Flyer von der LZ-Gruppe liegen, reicht das schon. Oder dass der Kommandant in einer Pressemitteilung des Lokalteams zitiert wird.
→ Die konservativen Politiker:innen sollten den Eindruck bekommen, dass ihrer Wählergruppe das Thema wichtig ist
→ Es geht nicht darum, die ganze Stimmung im Ort zu drehen (wenn bei einer repräsentativen Umfrage rauskäme, dass die Konservativen vor Ort Klimaschutz mehrheitlich nicht interessiert, ist das egal. Es zählt nur die Wahrnehmung der Politiker:innen).
Scheinbar neutrale Promis für euch gewinnen
Falls es lokale Promis (z.B. irgendein Schauspieler, der ursprünglich aus dem Ort kommt, aber schon seit Jahren in einer anderen Großstadt lebt) gibt, versucht
- sie für eine Rede auf einer Veranstaltung gewinnen
- sie für einen Leserbrief in der Lokalzeitung zu gewinnen (evtl. hilft es, wenn ihr einen Entwurf für den Leserbrief schreibt). Findet die Lokalpresse super und gibt euch Glaubwürdigkeit
Grenzen: Was tun, wenn die Stimmung kippt?
Auch wenn diese Tipps auf einen deeskalierenden, kooperativen Umgang ausgelegt sind, kann es sein, dass die Stimmung bei euch vor Ort ins Negative für euch kippt. Das kann durch Ereignisse passieren, die ihr nicht in der Hand habt (z.B. Leserbrief in der Lokalzeitung, negativer Bericht in der Zeitung, Gespräche mit skeptischen Politiker:innen scheitern).
Bitte beachtet beim Engagement in einem solchen Umfeld immer euren persönlichen Grenzen. Es ist wichtiger, dass es euch und euer Familie gut geht, als dass euer Team weiter in einen Konflikt geht.
Solltet ihr merken, dass euer Engagement negative Auswirkungen auf euer privates Umfeld hat, stoppt es und meldet euch bei eurer Regionalmanagerin, um zu besprechen ob und wie es Sinn macht, weiter vorzugehen. Sie kann euch auch Unterstüzung bei Hass-Nachrichten auf SocialMedia oder sonstigen Bedrohungen geben.
Präventiv für solches Situationen ist es hilfreich, wenn ihr
- euch überlegt, wo private Daten (insbesondere Adresse & Handynummer) von euch und euren Familienmitgliedern öffentlich verfügbar sind (z.B. Social Media, Telefonbücher, Impressum von Website) und diese dort löscht. Versucht, keine Angriffsfläche zu bieten.
- Wer von euch möchte als Pressesprecher:in in der Öffentlichkeit stehen?
- Welche Aktion wollt ihr lieber anonym durchziehen?
- Dazu kann euch auch eure Regionalmanagerin beraten
- eure Grenzen definiert. Was ist für euch noch akzeptabel? (eine Person spricht wegen meiner politischen Position nicht mehr mit mir/ ich bekomme Hass-Nachrichten auf SocialMedia) Wann hört ihr auf?
- Diese Grenzen sind individuell und sollten von allen in eurem Team respektiert werden. Ihr dürft euch auch jederzeit umentschieden und euch rausziehen.